Jürgen Lungwitz - Ein Nachruf

Wann und wie kommt der Tod?
Bei manchen Menschen - nach schwerer Krankheit - „vor der Zeit“, zu früh.
Bei anderen nach längerem Leiden und somit erwartbar - und oft dann als eine „Erlösung“. Und schließlich - auch bei durchaus „älteren“ Menschen, unerwartet, nicht vorhersehbar, plötzlich.
So starb am am 3. Juni 2026 unser Kollege Jürgen Lungwitz. Er wurde 86 Jahre alt - ein Alter, bei dem der Tod sicher nicht mehr fern sein muss. Aber: ein Kontakt mit ihm noch im März zeigte ihn als gesunden, aktiven und lebensfrohen Menschen, der sich darauf freute, bald wieder in sein Dorf in Südfrankreich, nahe den Pyrenäen, aufzubrechen, wo er mit seiner Frau Christa ein Haus besaß, in dem er seit vielen Jahren das Sommerhalbjahr verbrachte und Teil der örtlichen Gemeinschaft geworden war. Nichts, gar nichts, deutete daraufhin, dass sein Leben wenige Wochen später an sein Ende kommen würde. Und als die Nachricht von seinem Tod hier eintraf, wollte man sie einfach nicht glauben…
Seine Urne wurde am 30. Juni in kleinem Kreis im Familiengrab auf dem Friedhof in Düsseldorf-Unterrath beigesetzt.
Studiendirektor Jürgen Lungwitz (Jahrgang 1939) absolvierte an der Deutschen Sporthochschule in Köln ein Sportstudium mit Diplomabschluss und, parallel dazu, ein Lehramtsstudium der Germanistik an der Universität zu Köln. Am 9. August 1968 trat er als junger Studienrat seinen Dienst an unserem Gymnasium an - und blieb als Lehrer 36 Jahre lang bis zu seiner Pensionierung ein hoch geschätztes Mitglied des Kollegiums. Er war damit einer der Lehrer, die man aus der Perspektive der nachrückenden jüngeren Kollegen durchaus respektvoll und wertschätzend zur „alten Garde“ zählte (die keineswegs „aus der Zeit gefallen“ ist) oder sie, ebenso anerkennend, als „Urgestein“ der Schule bezeichnen könnte.
Jürgen Lungwitz war eine der starken Stimmen im Kollegium, auf die gehört wurde, wann immer er sich zu Wort meldete. Er machte klare Ansagen, trug sie offen vor, auch wenn sie nicht immer sofort von allen geteilt wurden. Aber sie waren geprägt durch innere Überzeugung und das Bemühen, die Schule „voranzubringen“. So gehörte er bis zum Schluss zu den unermüdlich aktiven und in vielerlei Hinsicht engagierten Kollegen. Das änderte sich auch dann nicht, als man ihm die Fachleitung für Sport am Studienseminar Düsseldorf antrug, er sich damit verstärkt der Ausbildung von Referendarinnen und Referendaren zuwandte und seine Unterrichtstätigkeit in der Schule deshalb entsprechend verringerte. Sein Fachwissen und seine didaktisch-methodische Qualifikation waren - in beiden seiner Fächer - über jeden Zweifel erhaben. In den jeweiligen Fachkonferenzen trug er Wesentliches zu deren Weiterentwicklung in der schulischen Arbeit bei.
Vielen Schülerinnen und Schülern, die er unterrichtete, bleibt er vor allem im Gedächtnis in Zusammenhang mit dem Ruderunterricht am Unterbacher See und den alljährlich durchgeführten Skikursen der Zehnerklassen am Feldberg, in Tulfes bei Innsbruck und schließlich in Fiesch im Schweizer Wallis. Besonders bei letzteren merkte man ihm an, was für ein begeisterter und hochqualifizierter Skifahrer und -lehrer er war, der bis ins hohe „Lehrer-Alter“ gerade auch den schon fortgeschrittenen Schülerinnen und Schüler noch vieles beibringen konnte. Und auch als „Ruderer“ konnte er zweifellos überzeugen. Sein Engagement für beide Bereiche, die für das Gymnasium Gerresheim immer noch ein wichtiges „Aushängeschild“ sind, bleibt unvergessen. Neben seiner sportlichen Tätigkeit war er auch ein ausgewiesener Kenner der Literatur, ein leidenschaftlicher Leser rund anregender Gesprächspartner.
Jürgen Lungwitz hatte ein phänomenales Gedächtnis, besaß viel Witz und Humor, und er konnte jederzeit bei Gelegenheit auf einen immens reichen Anekdotenschatz aus seinem Lehrerleben zurückgreifen und war damit in Gesellschaft oft ein ebenso unterhaltsamer wie humorvoller Mittelpunkt.
Viele im Kollegium, denen er auch damals schon außerhalb der Schule verbunden war und dies auch nach seiner Pensionierung blieb, werden die Nachricht von seinem Tod mit großer Traurigkeit aufnehmen - sie haben einen Freund verloren.
Claus Thomann (Schulleiter GG 1993-2011)
Petra Rieber (Lehrerin GG 1992-2009)








